Kurze Geschichte der

“Schützengilde zu Niemegk 1710 e.V.”

 

Heute feiern wir den 300. Gründungstag der Schützengilde zu Niemegk von 1710, und wir kommen mehr als 100 Jahre zu spät mit diesem Fest.

Durch alte Dokumente aus dem Stadtarchiv wissen wir, dass bereits um 1600 eine Schützengilde in Niemegk existiert haben muss, denn der goldene Vogel der Schützengesellschaft samt Kette und 12 Scheiben, auf denen vermutlich die Namen der jährlichen Schützenkönige verzeichnet waren, wurde 1620 gestohlen. Erst 2 Jahre später konnte der Vogel wieder aufgehängt werden, der Dieb musste mehrere Stunden unbezahlte Arbeit leisten.

Nach dem 30-jährigen Krieg ruhte die Aktivität der Schützengesellschaft und erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde wieder der Umgang mit der Armbrust und den moderneren “Feuerröhren” geübt. Als Anreiz erhielt der beste Schütze, der “Schützenkönig”, die Schützenwiese ein Jahr lang zur Nutzung.

Ausdrücklich erwähnt werden muss, dass die Aufgabe der Schützen nicht eine sportliche war, sondern zum Schutze der Stadt Niemegk der Umgang mit den vorhandenen Waffen geübt werden sollte.

Im für uns wichtigen Jahre 1710 wurde nun, wahrscheinlich, um das Schützenwesen in eine standesgemäße Ordnung zu bringen, die Schützengilde wiedererrichtet. Darüber gibt es im Stadtarchiv einen “Confirmierten Schützenarticul bei der Stadt Niemegk mit Bewilligung der Schützengesellschaft aufgesezzet und ausgefertigt anno 1710 de dato Niemegk, den 17.Juni 1710”. 36 Paragraphen sind darin aufgeführt und vom Rat der Stadt bestätigt. Damit haben wir eine regelrechte Geburtsurkunde.

Das Schiessen wurde in den folgenden Jahren in Niemegk tüchtig geübt. Jährlicher Höhepunkt war natürlich das Vogel- oder Scheibenschießen, bei dem die ganze Gilde zum Festplatz zog und der beste Schütze mit der “Rüstung”, der großen Armbrust, öffentlich ermittelt wurde. Als Anreiz erhielt der Schützenkönig neben der Nutzung der Schützenwiese das Recht, ein Trank Bier nach örtlichem “Schut und Guß” steuerfrei zu brauen, und das waren so etwa 12 Fass. Auch ein erstes Schießhaus wurde errichtet, das 1790 mit einem Anbau bewohnbar gemacht wurde.

In den folgenden Jahren wurden eifrig Übungen zur Stärkung der Landesverteidigung abgehalten und allmählich zogen auch immer mehr Feuerwaffen ein. Wie wichtig das war, zeigt, dass im Jahre 1776 extra eine Kontrollkommission aus Dresden, Niemegk gehörte ja zu Sachsen, kam. Aber alles war in bester Ordnung. Den Ernst der Situation zeigt, dass der Bericht  mit den Worten endet: “Gott steh uns bei und behüte uns arme Leute, die wir an den Grenzen sitzen.”

1815 wurde Niemegk preußisch, aber die Schützengilde wurde weiter gebraucht und der Schützenkönig erhielt auch weiterhin die Schützenwiese zur Nutzung, war darüber hinaus ein Jahr steuerfrei und sein Haus durfte bei Einquartierungen nicht belegt werden.

Die Organisation der Gilde war damals wesentlich militärischer. Es gab 2 Kompanien und ein vollständiges Offizierskorps mit Hauptmann, Leutnants, Fähnrich, Feldwebel und Unteroffizieren, dazu noch Trommler und Pfeiffer.  Die Leitung lag in der Hand des Stadtrates, der Bürgermeister war zugleich Vorsteher der Gilde. Alle Bürger bis zum 58. Lebensjahr waren den Kompanien zugeteilt und mussten zum jährlichen Königsschiessen erscheinen, bei Androhung von 6 Groschen Strafe.

Das Schießen war damals recht unproblematisch. Die Schusslinie wurde mit Leinen abgesperrt, die Scheibe am Rande des Schulgartens aufgehängt und dann quer über die Strasse geschossen. Der Ausrufer warnte:  “Heute Nachmittag von 3 Uhr ab wird im Schützenhaus geschossen. Vor unvorsichtiger Annäherung wird gewarnt. Das ging so bis 1881, dann wurde ein Schießgraben angelegt, denn die neuen, weittragenden Gewehre hatten die Gefahr doch erheblich vergrößert.

Zwei große Feste gab es jedes Jahr: das Fest des Königsschusses und das Vogelschießen. Beides waren mehrtägige Volksfeste, bei denen es regelmäßig hoch her ging. Schon damals wurden zum Feiern Gäste eingeladen, zum Beispiel wurde 1838 die Treuenbrietzener Gilde ausdrücklich gebeten, doch in ihrer neuen Uniform zu erscheinen.

1856 wurde eine neue Fahne für die Schützengilde angeschafft. Bemerkenswert ist dabei zweierlei: ersten der Spruch, der in lateinischer Sprache um das Wappen stand. Übersetzt lautete er: “Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht gehen die größten zu Grunde”. Zweitens: bezahlt wurde sie aus der Stadtkasse!

Auch eine Kanone wurde angeschafft und zu besonderen Festtagen, wie zu Beispiel dem Geburtstag des Regenten, tüchtig geböllert.

Im Jahre 1910, zur 200- Jahr- Feier, hatte die Schützengilde fast 100 Mitglieder.

Die folgenden Jahre folgten dem allgemeinen auf und ab. Während des Ersten Weltkrieges wurde nicht gefeiert. Acht Kameraden fielen.

Ab 1920 gab es wieder das jährliche Königsschießen. Der Preis für den König wurde jeweils den Verhältnissen angepasst, 1923 gab es ein Fass Bier und 130.000 Mark. Nach 1928 wurde durch die Gilde ein neuer Schießstand mit 75 m Schießbahn am Kugelfangweg gebaut. 1932 wird auf Anfrage der Reichspräsident Paul von Hindenburg Ehrenkönig der Schützengilde zu Niemegk. Ab 1933 geriet die Gilde zunehmend unter die zentrale Leitung des “Reichsbundes für Leibesübungen”, es gab neue Fahnen, neue Uniformen und geschossen werden sollte mit der “Wehrmachtsbüchse”, was nicht ohne Diskussionen hingenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte das aktive Leben der Gilde, und zum Feiern war ohnehin niemanden zumute.

Dann kam mit Kriegsende das vorerst endgültige Aus. Die Schützengilde wurde 1945 auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration aufgelöst und als militärische Organisation verboten.

Nach fast 50-jährigem Verbot konnte die Schützengilde im Jahre 1992 wieder ins Leben gerufen werden. Unter der Führung von unserem Schützenfreund Bodo Höhne, ohne dessen Einsatz unserer Verein nicht existieren  würde,  und in seinem Hühnerstall trafen sich 12 Niemegker und beschlossen, an alte Traditionen anzuknüpfen.

1993 erhielten wir auch die alte, historische Fahne zurück, die bis dahin den Ratssaal des Rathauses Niemegk zierte, leider aber schon stark beschädigt war. Nach Vorlage dieser Fahne wurde anlässlich des Stadtfestes im Jahre 2000 unsere neue Fahne eingeweiht.

Sehr bald wurde beschlossen, dass ein eigener Schießstand gebraucht wurde, und schon 1993 begann mit viel Elan an zahlreichen Abenden und Wochenenden der Bau. Mit Beiträgen und Einlagen und sehr viel Eigenleistung der Schützen, aber auch großzügigen Spenden an Material und Technik, war es möglich, einen sportliche Schießstand zu errichten, der im Umkreis seinesgleichen sucht und auf den wir zurecht stolz sind. Nach langwierigem Genehmigungsverfahren konnte er endlich im Jahre 1999 mit einem Schuss auf die Sektflasche eröffnet werden.

Bereits 1993 nahmen wir die Tradition der Schützenfeste wieder auf und feierten seitdem jedes Jahr gemeinsam mit der Feuerwehr, auf deren Kameradschaft wir großen Wert legen. Dass seit dem großen Stadtfest im Jahr 2000 auch der  Niemegker Karnevals Club dabei ist und später auch die Sportfischer dazukamen macht das Fest  zum wirklichen Volksfest in Niemegk. Eine besondere Freude ist für uns dabei die Teilnahme unserer befreundeten Schützenvereine des Schützenkreises am Festumzug durch die Stadt.

 Zwei Wanderpokale werden jährlich von unserem Verein ausgeschossen, und beide symbolisieren etwas für uns besonders wichtiges. Zum einen die Kameradschaft zum Schützenverein unserer Partnergemeinde, dem Kleinkaliberschützenverein Schellerten, zum anderen der freundschaftliche Kontakt zu den anderen Vereinen der Stadt Niemegk.

Mögen wir uns noch lange unter unserem alten Wahlspruch zusammenfinden:

Durch Eintracht wachsen kleine Dinge,

durch Zwietracht gehen die größten zu Grunde!